Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

 

OZ-Ausgaben zum Thema Lidahilfe

https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Grevesmuehlen/Fragen-und-Antworten-zur-Lidahilfe-Grevesmuehlen

https://www.ostsee-zeitung.de/Mecklenburg/Grevesmuehlen/25-Jahre-Lidahilfe

 

 

Kontakt: 

Michael Prochnow 0172/9914149

 

OZ vom Mai 2016

 

Pressespiegel: Siehe Anhang 

 

Glosse: Mir war nicht ganz klar, was der junge Mann von der weißrussischen Mautbehörde wollte. Ich hatte unser Mautgerät vor zwei Minuten an der Tankstelle aufgeladen obwohl noch genügend Geld auf der Karte war. Aber „sicher ist sicher“ dachte ich mir und buchte 25 Euro obendrauf. Wir hatten die Grenze nach Belarus gerade eben überquert und noch keine Mautbrücke passiert, auf der Fahrt zuvor hatten wir alle Geräte ordnungsgemäß eingestellt. Es konnte also nichts passieren. 

„Sie sind vor fünf Monaten ohne Maut durch eine Kontrollstelle gefahren“, erklärte mir der Beamte . Ich dachte, ich hätte mich verhört. So gut ist mein russisch nämlich nicht. Doch zur Bestätigung zeigte er mir ein Foto, auf dem ich mit meinen Lkw zu sehen war. Inklusive Mautgerät, das an der Scheibe klebte. Das kann nicht sein, entgegnete ich. Ich habe das Gerät aufgeladen, es kann sich nur um einen Irrtum handeln. Doch Irrtümer sind im weißrussischen Behördendschungel nicht vorgesehen. „Das Foto ist der Beweis, 260 Euro kostet die Stafe.“ Ende der Diskussion. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir aufgrund ähnlicher Fallstricke bereits knapp 1700 Euro an Mautstrafen in Polen und Belarus gelassen. Geld, dass die Fahrer – also wir – aus eigener Tasche bezahlen. Aber es half nichts. Zahlen oder der Lkw bleibt stehen. Also die Kreditkarte raus, meine Nummer kannten die Beamten bereits, und zahlen. 

Wie sich später herausstellte, hat die weißrussische Mautbehörde in den ersten anderthalb Jahren mehr Geld durch Strafen eingenommen als durch die reguläre Maut. Wen wundert's? 

 

OZ vom 03.06.2011: 


Grevesmühlener helfen in Lida
40 Tonnen Hilfsgüter aus Nordwestmecklenburg wurden nach Weißrussland gebracht. Wirtschaftskrise stellt die Menschen vor Probleme. Hamsterkäufe bestimmen das Bild.



Norbert Koch (v. l.), Dirk Becker und Joachim Petkus von der Lidahilfe beim Entladen der insgesamt vier Lastwagen.
Foto: Prochnow

Grevesmühlen/Lida (OZ) - Über den Staat will Alexej nicht sprechen. „Was soll ich auch dazu sagen, wir kümmern uns um die Menschen, Jammern nützt nichts.“ Alexej ist der verantwortliche Geistliche in einer von sieben orthodoxen Gemeinden der weißrussischen Stadt Lida. Die Kirche im Stadtzentrum ist rund hundert Jahre alt, sie war zu Sowjetzeiten Museum und Kino. Und jetzt ist sie wieder Anlaufpunkt für die Menschen in der Stadt, die seit einigen Monaten eine der schwersten Wirtschaftskrisen des Landes erleben.
Seit einigen Jahren gibt es Kontakte zur Lidahilfe aus Grevesmühlen, die die Kirchgemeinde mit Hilfsgütern versorgt. Alexej gehört nicht zu den Menschen, die viel reden. Viele Probleme lösen er und die rund 40 ehrenamtlichen Gemeindeschwestern selbst. „Aber natürlich ist die Hilfe aus Deutschland willkommen, vor allem, wenn sie wirklich regelmäßig kommt.“ Und Unterstützung brauchen sie, ebenso wie die Poliklinik, das Gymnasium, der Behindertenverband und das Sozialamt, die in diesem Frühjahr mit rund 40 Tonnen Hilfsgütern aus Nordwestmecklenburg versorgt wurden. „Es gibt Geld vom Staat für einige Projekte“, erzählt Alexej. „Aber eben nicht für alle.“ Das Wohnprojekt für misshandelte Frauen stemmt die Gemeinde allein. Sie hat eine große Wohnung im Zentrum angemietet, in der Frauen mit ihren Kinder Zuflucht finden, die vor der Gewalt ihrer Männer fliehen. „Das gibt es sehr oft, aber diese Gewalt ist in der Öffentlichkeit kein Thema, man spricht nicht darüber, weil es so etwas offiziell nicht gibt.“ Alexej mag nicht einmal eine Dunkelziffer grob schätzen. „Tatsache ist, dass es mehr Nachfragen gibt, als wir Platz haben. Die Frage ist nur, wie lange wir dieses Projekt finanzieren können.“ Und das nächste ist bereits in Planung. Am Stadtrand soll eine mobile Küche entstehen, die die Obdachlosen — die es offiziell ebenfalls nicht gibt — mit einer warmen Mahlzeit versorgt. Der Umbau eines Wohnhauses auf einem Dorf nahe Lida liegt vorerst auf Eis, weil Geld und Genehmigungen fehlen. Die aktuelle Wirtschaftskrise macht die Situation nicht leichter. „Aber egal, was die Zukunft bringt, die Menschen erwarten Hilfe von der Kirche und sie werden sie auch bekommen.“ Unter anderem mit Unterstützung der Lidahilfe aus Grevesmühlen, die seit mittlerweile 17 Jahren Hilfstransporte organisiert. „Und das werden wir auch künftig weiter tun“, sagt Ekkehard Giewald, der nach dem Ausscheiden von Dieter Schwanbeck die Koordinierung der Lidahilfe übernommen hat. „Auch wenn in den vergangenen Jahren viel passiert ist in Lida, die Situation jetzt zeigt, dass es nach wie vor viele Menschen gibt, die auf Hilfe und Spenden angewiesen sind.“ Dazu gehören die Familienpakete aus Grevesmühlen ebenso wie die Möbel von Palmberg für die Poliklinik und das Gymnasium und die Kleiderspenden für das Sozialamt der 120 000 Einwohner zählenden Stadt. Dass es auch Rückschläge bei den verschiedenen Aktionen gibt, auch damit haben die Helfer aus Nordwestmecklenburg gelernt umzugehen. So sollte in diesem Frühjahr die Wohnung einer kinderreichen Familie saniert werden. Dafür waren extra Handwerker mitgereist. Doch die Familie in Lida wusste nichts von dem Termin, die Eltern waren nicht Zuhause, die Wohnung nicht leergeräumt. Wer am Ende wen nicht angerufen hat, spielt heute keine Rolle mehr. „Ärgerlich, aber nicht zu ändern“, so Ekkehard Giewald. Das Sozialamt der Stadt will nun versuchen, mit eigenen Handwerkern das Material zu verarbeiten, das bereits seit Anfang April in der Wohnung lagert. „Es wird einen Weg geben, um das Projekt zu Ende zu führen.“
* Der Autor ist Mitglied des Vereins Lidahilfe und hat diesen Transport begleitet.